Sonntag, 2. Juli 2023

27. Juni 2023 Suisun City CA - Fort Bragg CA

Nach den vielen erlebnisreichen Tagen wird dies heute die zweite eher ruhige kalifornische Etappe, wir lassen es also heute morgen wieder etwas ruhiger angehen.
Das Hotel in Suisun City hat uns viel besser gefallen als manche Übernachtungsstätte vorher, wie zum Beispiel das Hotel in Page. Vor allem war es sehr viel ruhiger, weder Duschen noch Klospülungen oder Türenschlagen war zu hören. Wie schon in Washington UT zeigt sich, dass ein Kettenhotel nicht immer schlecht sein muss.
Wir fahren wieder auf die California 12 auf, an der großen hiesigen Anheuser Bush- / Budweiser- Brauerei vorbei und erleben einige etwas hektische Highway-Meilen, auf denen wir die einzigen sind, die sich auch nur annähernd an die Geschwindigkeitsvorgaben halten, vor allem in den Baustellen; das "fines doubled in work zones" wird von jedermann ignoriert. Gleichwohl haben wir in den letzten dreieinhalb Wochen keine einzige Radarfalle gesehen.
Bald wird die Landschaft hügelig, und wir erreichen das bekannteste Weinanbaugebiet der USA, die Region Wine Country, Herzstück des kalifornischen Weinbaus.Nappa Valley und Sonoma County haben weltweit einen besonderen Ruf für Spitzenweine; die klimatische Mischung aus genügend Sonne und dem kühlenden Einfluss des nahen Pazifiks sind hierfür ideal. 
Hier wird gefühlt jeder geeignete Hektar freier Boden im Hügel- oder im Flachland für exakt ausgerichtete Reihen von Weinreben genutzt, und entlang der Straße folgt eine Winery der nächsten. 
Wir lassen das Napa-Gebiet an einer Kreuzung rechts liegen und erreichen nach einer Viertelstunde das sympathische Städtchen Sonoma. Ohne mondän zu wirken, zeigt dieser Ort Klasse, schöne Häuser, gediegene Geschäfte, relaxte Atmosphäre. Wieder zeigt sich, dass es dort, wo Wein angebaut wird, irgendwie entspannter ist.
Bei der Fahrt auf dem Scenic Drive durch das Sonoma Valley Richtung Norden wechselt sich das Bild nicht. Vineyards rechts, Vineyards links, bis weit die Hänge hinauf, große und kleinere Winerys allerorten.
In Santa Rosa, dass wir gegen Mittag erreichen, wollen wir als Peanuts-Fans das Charles M. Schulz-Museum besuchen. Uns erwartet ein überaus sympathisches kleines Museum mit freundlichen Mitarbeitern und pfiffigen Exponaten.Begeistert sind wir von The Mural: Ein riesiges wandfüllendes Mosaik mit der ikonischen Szene, wie Lucy für Charlie Brown den Football hält, als Groß-Collage bestehend aus 3.588 ausgewählten Peanuts-Cartoons, in Summe entspricht dies dem Output von 10 Jahren Peanuts. 
Oder Snoopys von Christo verpackte Hundehütte; dieser Aktion widmete Schulz damals einen eigenen Cartoon. Ein echtes Highlight ist die nachgebaute "Psychiatric Help"-Bude von Lucy.
Das Arbeitszimmer von Schulz ist hier wiederaufgebaut zu sehen, wieder einmal ist es faszinierend, in welcher unspektakulären Umgebung Meisterwerke entstehen. Auf einer Aktionsfläche läuft eine Sonderausstellung über Charlie Braun und seine vergeblichen Versuche, einen Drachen steigen zu lassen.
Im Aktionsraum für Kinder treffen wir auf Julia aus Wolfsburg; sie arbeitet im Rahmen eines Sabbaticals für einige Wochen hier und fühlt sich in diesem Museum und seiner angenehmen Atmosphäre sehr wohl.
Wir verlassen Santa Rosa auf der US 101 nordwärts und fahren weiterhin durch Weinanbaugebiete; die Viticultural Area North Coast reicht hier weit hinauf bis nach Ukiah im Mendocino County.
Entlang des Highways versuchen wir in Wilson und später in Ukiah noch einmal unser Sandwich- Glück bei Walmart, treffen jedoch wieder auf diese völlig andersartigen Filialen und weichen daher auf SUBWAY aus, die praktischerweise im zweiten Walmart eine Filiale haben. 
In Wilits verlassen wir schließlich die nach Oregon und Kanada weiterführende US 101 und fahren über eine mehr aus engen Kurven als aus Geraden zu bestehen scheinenden Straße Richtung Meer - eine echte Abwechslung nach den wochenlangen schnurgeraden Highways.
An der Küste treffen wir wieder auf den California Highway 1, auf den wir nordwärts in Richtung des nahen Fort Bragg einbiegen. Leider geraten wir hier auch in den charakteristischen küstennahen Nebel, hervorgerufen vom kalten Kalifornienstrom vor der Küste, über dem die warme Luft des Landes kondensiert. 
Wir fahren durch das rustikale Küstenstädtchen hindurch, das noch auf seine touristische Entwicklung zu warten scheint. Die Großstädte sind hier einfach zu weit weg, und ein erst vor einigen Jahren geschlossenes riesiges Sägewerk hat die Entwicklung des Fremdenverkehrs wohl zusätzlich stark behindert.
Am Nordrand des Ortes haben sich entlang der Dünen oberhalb der Klippen einige Hotels und Lodges angesiedelt, so auch die "Surf and Sand Lodge", unser heutiges Quartier. Das Zimmer ist geräumig, die Betten haben Queensize-Größe und der herrliche Balkon einen direkten ungehinderten Meerblick. Alles könnte also toll sein, wenn nicht der Kompressor des Kühlschranks recht lärmintensiv seinen gelegentlichen Arbeitseinsatz vertonen müsste. Wir bemerken das akustische Ausmaß dieses Mangels jedoch erst spät, nach einem herrlichen Spaziergang ans Meer. Wir laufen oberhalb der Klippen entlang, lauschen der Brandung und genießen den von der See her wehenden salzigen Wind. Als sich die Sonne dann doch noch gegen den Nebel durchsetzen kann, setzen wir uns für eine wunderbare Dreiviertelstunde an einen Sandstrand. Ich gehe mit den Füßen ins Wasser, es ist tatsächlich empfindlich kalt.
Den Sonnenuntergang erleben wir vom Balkon aus, ein stimmungsvoller Abschluss dieses vergleichsweise eher ruhigen Tages.