Wir haben heute länger geschlafen, erst um acht werden wir langsam munter.
Heute wollen wir ein zweites Mal in den Zion National Park, und zwar auf der Durchreise von Osten her hinein und dann durch den bekannten Tunnel fahren.
Dafür folgen wir ab Kanab der US 89 bis Mt Camel Junction, dann über den Utah Highway 9. Kurz vor der Parkgrenze sehen wir Bisons; leider nicht in freier Wildbahn, sondern auf einer großen Weide, aber immerhin.
An der Einlasskontrolle des Nationalparks warnen Schilder vor dem Tunnel und weisen nachdrücklich darauf hin, wer nicht durchfahren darf; verboten sind insbesondere Lastwagen. Und wer zum Beispiel als Wohnmobil eine bestimmte Größe überschreitet, muss extra zahlen, weil für diese Fahrzeuge der Tunnel als Einbahnstraße reguliert werden muss.
Der oberste Parkteil, durch den wir nun fahren, ist wunderschön; er gefällt uns in seiner Farbenpracht und der Unterschiedlichkeit der spektakulären Felslandschaft entlang der herrlich trassierten Straße fast besser als der Zion Canyon selbst. Markant ist zum Beispiel das Checkerboard Mesa, eine Felswand, die horizontal und vertikal strukturiert ist, was mit ein wenig Phantasie eben ein Schachbrett ergibt.
Sensationell ist auch der Canyon Overlook, den man auf einem etwa dreiviertel Kilometer langen beinahe alpinen Trail erreicht. Hier blickt man steil hinunter in einen Canyon mit gigantischen Felswänden ringsum. Einen solch eindrücklichen Blick in die Vertikale hat man unten im Zion Canyon nicht.
Dann fahren auch wir durch den langen Tunnel; es geht stetig ordentlich bergab, und wir kommen schließlich etwa auf halber Höhe einer Schluchtwand aus dem Berg. Danach sind noch einige gut ausgebaute Serpentinen zu meistern und wir finden uns an der Einfahrt zum Visitor Center wieder. Hier hatten wir ja vor 10 Tagen bei unserem ersten Besuch unser Auto abgestellt und waren auf den Shuttlebus umgestiegen. Heute fahren wir vorbei und aus dem Nationalpark wieder heraus.
Die folgenden Kilometer bis La Verkin sind wir schon gefahren, ebenfalls die Interstate 15, die wir nun wieder bis Cedar City benutzen.
Auch den Leuchtturm-geschmückten Einkaufspark in Cedar City kennen wir bereits, ebenso den riesigen Walmart zu seinen Füßen, den wir zur Verproviantierung vor den kommenden Tagen im Outback von Nevada ansteuern. Später stellen wir fest: Es ist nach dem in Marina CA landesweit überhaupt bisher erst der zweite Walmart, den wir mehr als einmal besucht haben. Sie sehen nur alle fast gleich aus.
Vor der Fahrt ins Nirgendwo tanken wir auch noch einmal voll. Und da neben der Love's Tankstelle auch ein Carl's Junior liegt - ein Besuch bei unserem absoluten Lieblings-Burgerbrater hatte sich heuer bisher noch nicht ergeben - kehren wir hier auch gleich ein.
Von Cedar City an beginnt die Fahrt abseits der Touristenströme zum Grand Basin National Park. Über eintönige Straßen durch Halbwüste kommen wir über die Utah 130 nach Minersville und die Utah 21 nach Milford. Hier kreuzen wir die Bahnstrecke Las Vegas - Salt Lake City, die hier einen größeren Bahnhof bildet. In der Einfahrt steht wartend ein langer Union Pacific-Güterzug, der im Rahmen der motivlichen Möglichkeiten fotographisch verewigt wird.
War die Strecke bis Milford schon ziemlich unfrequentiert, fahren wir nun ein in eine menschenleere Einsamkeit. Auf langen Geraden durchmisst die Straße weite Talsenken und Ebenen, in denen gelegentlich Wirbel aus aufgewehtem Sand zu sehen sind. Den Horizont bilden Hügel und Bergkuppen, hinter denen dann wieder die nächste Gerade wartet; eine messen wir mit 11 Meilen bzw 17 Kilometern. In unsere Richtung ist scheinbar überhaupt niemand unterwegs, und Gegenverkehr haben wir im Schnitt nur alle paar Minuten.
Diese Landschaft strahlt eine ungeheure Großartigkeit aus; Tom Pettys INTO THE GREAT WIDE OPEN kommt einem in den Sinn.
Irgendwann haben wir in der Ferne schneebedeckte Gipfel im Blick, das sind die Berge des Grand Basin National Parks, den wir morgen besuchen wollen.
Dort liegt bereits Nevada; passender kann man sich dem Staat nicht nähern, denn Nevada ist nach dem spanischen Wort für schneebedeckte Berge benannt, der "Sierra Nevada".
Als die Landschaft dann sanft in die Ebene des Hamlin Valley abfällt, sind wir bald am Ziel. Direkt hinter einem kleinen See und dem ziemlich vernachlässigten Flecken Garrison verlassen wir Utah und erreichen Nevada. Gleichzeitig gewinnen wir eine Stunde, denn ab hier gilt die Pacific Time - jeder Staat hat hier seine eigene Uhrzeit, so scheint es.
Bis Baker, unserem Übernachtungsort, sind es nur noch wenige Meilen. Das Dorf entlang der Nevada 487 und zu Füßen des Nationalparks ist winzig. Es gibt eine Tankstelle, ein Post Office, ein Restaurant, eine kleine Kirche, einen RV-Park und einen kleinen Laden, dem Stargazer Inn & Bristlecone General Store. Wir werden hier sehr freundlich empfangen von den beiden Besitzern Liz und James, und es ergibt sich sofort ein herzliches Gespräch.
Nach dem Auspacken in unserem gemütlichen Zimmer kaufen wir uns eine Flasche kalifornischen Sauvignon Blanc und setzen uns zunächst noch auf ein erstes Gläschen an einen Tisch im Laden. James kommt zu uns, erzählt, dass er früher Park Ranger war und aus Kalifornien kommt, während seine Frau Liz aus Massachusetts stammt; seit einem Jahr betreiben sie nun die Lodge. Oskar spielt derweil mit einer mechanischen Holz- Murmelbahn; die habe einmal ein Gast als Bezahlung dagelassen, erzählt James lachend.
Zum Abendessen setzen wir uns dann in den Garten. Es ist herrlich warm, und auch der Wind der letzten Tage scheint ein wenig nachgelassen zu haben.
Baker und der Grand Basin National Park rühmen sich für ihren Sternenhimmel, hier so völlig weitab von allen Licht- und Luftverschmutzungen. Das möchte ich mir ansehen und versuchen zu fotographieren.
So stehe ich nach der Dämmerung auf der kurzen Main Street und versuche mein Glück. Der Sternenhimmel ist wirklich prächtig, leider sind im Dorf dann doch recht viele Lichter an, was das lange Belichten der Fotos etwas erschwert.
Spannend ist, wenn ein Auto aus der Wüste kommt: Man kann es minutenlang vorher hören und die Lichter sehen, bis es endlich da ist.
Während ich in den nachtschwarzen Himmel starre und die Totenstille des Ortes erlebe, denke ich mir, dass dieses kleine Nest Baker, völlig einsam und weit abgeschieden, ziemlich genau den Locations der 50er Jahre Schwarz- Weiß Science Fiction-Filmen von Jack Arnold entspricht, über die eine Katastrophe hereinbricht. Hoffentlich passiert diese Nacht nichts, weder Außerirdische noch Meteoriten oder Riesenameisen, denke ich mit einem Lächeln, und dem Vorsatz, mir demnächst mal wieder so einen Streifen anzuschauen.