Heute steht uns ein Fahrtag bevor, um in einem Zug wieder bis nach Kalifornien zu gelangen. Vorher wollen wir aber noch dem Great Basin Nationalpark einen Besuch abstatten.
Wir frühstücken wieder im Schatten der Bäume im Garten, während es um uns herum sehr schnell heiß wird. Dann nehmen wir widerwillig Abschied vom Stargazer Inn, wo wir so freundlich empfangen wurden und wir uns sehr wohl gefühlt haben. Wie findet man nur - und erst Recht von daheim aus - nicht nur durch Zufall solche Unterkünfte?
Als wir aufbrechen, sitzt vor dem Laden ein Radfahrer aus Deutschland vor seinem Kaffee. Er erzählt, dass er in vier Monaten von New York nach Kalifornien mit dem Rad unterwegs ist. Was das härteste war? Natürlich die Rocky Mountains, dicht gefolgt jedoch vom Blue Ridge Parkway in den Appalachen mit seinem stetigen Wechsel von Steigungen und Gefälle.
Die Straße in den Nationalpark beginnt beinahe an unserer Unterkunft und strebt geradeaus hinein in die Berge, die im Klaren Morgenlicht leuchten.
Eine Einlasskontrolle gibt es hier in der Einsamkeit nicht. Nach dem obligatorischen Stopp im Visitor Center fahren wir den Scenic Drive bis hinauf zum Wheeler Peak Overlook und dem Straßenende auf über 10.000 Fuß beziehungsweise 3.000 Meter Höhe.Hier schmilzt gerade der Schnee, die Bäche rauschen vom Schmelzwasser, die Luft ist frisch und ziemlich kühl. Oskar ist vom Schnee begeistert und wirft Schneebrocken in den Bach am Wegesrand, bis er kalte Hände bekommt.
Im Auto füllen wir das Heft für die Junior Park Ranger aus, genau wie vor zwei Wochen im Death Valley. Als wir es im Visitor Center vorzeigen, ist Park Rangerin Mary begeistert und erläutert Oskar jede Seite; er versteht natürlich nicht viel, aber Susanne und ich lernen noch richtig was dazu. Zum Schluss wird Oskar wieder feierlich als Junior Park Ranger vereidigt, und als Mary die Zeremonie mit "Welcome to the team" abschließt, klatschen alle Park Ranger im Raum Beifall. That's America.
Zurück in Baker kaufen wir im Stargazer noch Kaffee und Muffins, dann beginnt der langweilige Teil des Tages: Sechs Stunden Autofahrt liegen vor uns, einmal quer durch das südliche Nevada.
Landschaftlich ist diese Fahrt großartig, eine Reise durch trockene Ebenen und felsige Höhenzüge, die das Land wie regelmäßige Rippen zu durchziehen scheinen.
Eine Tankpause machen wir in Ely; "Achtet auf den vollen Tank", hatte uns Liz heute früh noch einmal gewarnt, die Tankstellen liegen hier gerne mehrere 100 Meilen auseinander. Wieder ist die Love's-Tankstelle mit einem Carl's Junior-Restaurant verbunden, diese Kombination nutzen wir direkt wieder für den Lunch. Dazu gibt es in dem Komplex neben sauberen Restrooms auch noch ein kleines Spielkasino mit Automaten, wir sind schließlich in Nevada.
Wie fasst man stundenlanges Fahren durch Wüste und Steppe zusammen? Es ist optisch ein Genuss, aber unterm Strich ziemlich langweilig, das steht fest. Kurzweil geben auf der Unendlichkeit der US 6 nur gelegentliche landschaftliche Höhepunkte wie bizarre Felsen oder oasenartige grüne Landstriche, dazu ein paar Ranches und Farmen, und natürlich die langen Geraden, die nach einer Kuppe oder Kurve vor einem auftauchen. Eine messen wir mit 21 Meilen Länge - das heißt es geht 34 Kilometer schnurgeradeaus.
Einmal sind die Hügel grün überzogen, das sieht dann aus wie eine Mischung aus Auenland und Mittelerde, dann ist alles wieder so kahl und trocken, dass die Sandstaubwolken spiralenartig entlang der Straße wirbeln.
Tunipah ist der einzige Ort unterwegs, alle anderen in der Karte verzeichneten Siedlungen sind nur - meist verfallene - Häuser an irgendwelchen Straßenabzweigungen.
Ein schneebedeckter Gebirgszug markiert die Grenze nach Kalifornien; diesen können wir über den recht tief gelegenen Montgomery Pass überqueren.
Kalifornien empfängt uns dann mit einer Baustelle, an der gerade der Feierabend eingeläutet und die Ampel abgeschaltet wird, sowie der obligatorischen Grenzkontrolle.
Ob wir heute aus Missouri gekommen seien, fragt die Kontrolleurin mit Blick auf unser Nummernschild. Nein, aus Nevada. Habt ihr alles Obst, dass ihr dabei habt, in Nevada gekauft? Ja, antworten wir. "OK, that's all. Take care" und schon sind wir wieder in Kalifornien.
In Benton verlassen wir die hervorragend ausgebaute US 6 und biegen auf die sehr kurvige California 120 ein, nach einem kleinen Passübergang mit knubbeligen Felsen wird das Gelände offener und die Straße wieder gerade. Hier hat es wohl ziemlich geregnet, denn in einigen Senken stehen Warnschilder "Flooded" und liegen ein paar Sandsäcke.
Über eine weitere Ebene verläuft die Straße wieder als Roller Coaster, wie auf einer Achterbahn geht es über kleine Straßenkuppen hinweg; dieses Auf und Ab bei der exzellenten Straßenlage unseres Chevy Tahoe lässt uns juchzen und Oskar vor Vergnügen kreischen. "Diese Straße hat wieder einer gebaut, der vorher in einem Vergnügungspark gearbeitet hat", kommentiert Susanne das Auf und Ab.
Von der Höhe hinab fahren wir auf den Mono Lake zu, einen riesigen abflusslosen Salzsee mit bemerkenswert angepasster Fauna zu Füßen der Sierra Nevada, laut Wikipedia der größte Kratersee der Welt.
Gerne hätte ich mir die bekannten Kalktuff- Formationen angeschaut, wie sie zum Beispiel auf dem Cover des Pink Floyd- Albums WISH YOU WERE HERE abgebildet sind. Aber dafür fehlt uns jetzt am späten Abend einfach die Zeit.
Am Abzweig zum Tioga Pass und zum Yosemite National Park, den wir morgen benutzen wollten, steht wie erwartet "Closed"; zu unserer Überraschung leider auch kurz darauf an der Zufahrt zum Wildwest-Dorf Bodie, das ebenfalls auf unserem Programm stand. Die Folgen des Winters 2022/2023 hinterlassen hier in Kalifornien wie schon damals im Sequioa/ Kings Canyon National Park tiefe Spuren in unserer Tour.
Dann endlich ist Bridgeport erreicht. Hier logieren wir in der Walker River Lodge, einem großen Durchschnitts-Motel mit engen Parkplätzen vor den Zimmern.