Samstag, 24. Juni 2023

21. Juni 2023 Grand Canyon National Park (North Rim) AZ - Kanab UT

Nachdem gestern das Abendessen in der Lodge ein voller Erfolg war, wollen wir heute auch das Frühstück ausprobieren.
Es gibt leckere Pancakes, die eigens nach Bestellung frisch zubereitet werden, und wieder ein Buffet, u.a. mit Rührei, Bacon, Würstchen und Bratkartoffeln.
So gestärkt packen wir das Auto und fahren wieder zurück in den Nationalpark. Diesmal hat eine freundliche Rangerin Dienst, die auch für Oskar noch ein nettes Wort hat mit dem Hinweis, dass es ein tolles Junior Ranger Programm gibt. Diese ungezwungene und unbeschwerte Freundlichkeit der Menschen hier werden wir in Deutschland wieder vermissen. 
Neben den Aussichtspunkten am Visitor Center, die wir gestern besucht haben, gibt es auch einen ziemlich langen Scenic Drive, der zu anderen View Points führt. In diesen biegen wir ein. Erste Aussicht ist der Roosevelt Point, benannt nach Theodore Roosevelt, der den Grand Canyon zum National Monument erhob, bevor er 1919 National Park wurde.
Am Walhalla Point kurz darauf kann man bis hinunter zum Colorado River blicken, der hier in der Tiefe einen flachen Talgrund ausbildet. Auf diesen Flächen lebten die Anasazi- Indianer und betrieben hier in den Wintermonaten Ackerbau, während sie die Sommer oben am Schluchtrand verbrachten.Man hat im Talgrund über 50 solcher Siedlungen gefunden. Genau wie in Mesa Verde endete diese Phase ziemlich abrupt, ohne dass man genaue Gründe hierfür kennt.
Höhepunkt des Scenic Drives ist das Straßenende am Angels Window, wo sich der Canyon wieder mit großer Eindrücklichkeit vor uns öffnet. Man kann die Tiefe der Schlucht weder abschätzen noch überhaupt irgendwie erfassen, fehlt dort unten doch jeglicher Bezugspunkt.
Gegenüber auf der Südseite sind zwei Waldbrände aktiv, die der Sicht leider kontinuierlich ihre Brillanz nehmen.
Letzter Aussichtspunkt ist Point Imperial mit 2.683 Metern der höchstgelegene View Point im gesamten Nationalpark. Dieser Ort ist völlig anders, denn man steht man hoch über einem Netzwerk von tiefen und langen Seitentälern, gar nicht mehr am eigentlichen Canyon. Der Fluss ist von hier aus dann auch sehr weit weg.
Nun beginnt die lange Rückfahrt, zunächst runter vom sehr langen Scenic Drive, dann aus dem Park heraus und schließlich sehr lang die North Rim-Stichstraße durch den Kaibab National Forest wieder retour bis zur Junction US 189A. Anschließend wenden wir uns nordwärts.
Arizona Strip wird diese Region im Nordwesten von Arizona genannt, die durch den tiefen Keil des Grand Canyon vom Rest des Bundesstaates abgeschnitten ist.  
Wir fahren hier nur durch Wald, der erst an einer Steilstufe hinab auf eine weite und deutlich tiefer gelegene Ebene endet. Hier ist es wieder deutlich trockener und wärmer, die Vegetation verliert gleichzeitig viel von ihrer Üppigkeit. Durch Prärieland führt die leicht wellige Straße auf Fredonia am Kanab Creek zu. Hier gibt es noch einmal einige Liquor Stores, so kurz vor der Grenze zu Utah, wo es bekanntlich deutlich trockener zugeht; den letzten dann im wahrsten Sinne des Wortes bereits in Sichtweite der Borderline.
Mit der Einfahrt nach Utah ändert sich wieder die Uhrzeit, wir kommen langsam durcheinander; ob Arizona mit seiner Sommerzeit-Blockade tatsächlich mehr erreicht als lediglich Verwirrung? 
Wenige Meilen später kommen wir nach Kanab. Dieser Ort ist als "Utah's Little Hollywood" bekannt, wurden hier und in der Umgebung doch die Außenaufnahmen einer Vielzahl von Western gedreht, darunter Klassiker wie STAGECOACH, EL DORADO oder BANDOLERO, aber auch andere Filme wie zum Beispiel DER PLANET DER AFFEN. Wie auch im Monument Valley sind hier überall rote Felsen zu finden; vielleicht rührt aus dieser gleich beschaffenen Topographie der Film- Locations der Eindruck, dass es im Wilden Westen überwiegend rote Felsen zu geben hat.
Der Ort ehrt diesen Teil seiner Geschichte mit einer Art Walk of Fame entlang der Center Street; auf Tafeln werden hier die Stars genannt und ihre Werke beschrieben, die in Kanab gedreht wurden. 
Wir schlafen heute in der Parry Lodge, ein großes Motel mit altehrwürdiger Geschichte: Hier übernachteten seit 1937 viele der Filmcrews während der Dreharbeiten in Kanab. Die ganze Anlage ist herrlich altmodisch, in der Lobby hängen viele Bilder von Stars und den Dreharbeiten, die in einigen Fällen auch auf dem Motel-Gelände stattfanden.
Die Zimmer und Cabins tragen die Namen von Filmstars dieser Ära. Unsere Unterkunft hat zwei Eingänge, und so übernachten wir heute bei Robert Taylor und Ann Blythe.
Nach dem Ankommen schlendern wir ein wenig durch das Städtchen. Das Zentrum entlang der Center Street ist jedoch winzig, und außer ein paar hübschen Perspektiven gibt es auch nicht richtig viel zu sehen.
Im Veranstaltungsraum des Motels, einem alten Pferdestall, läuft jeden Abend ein Western, heute ein ziemlich dialoglastiger Streifen mit Gary Cooper und Ingrid Bergmann. Wir schauen kurz rein, aber das ist Oskar zu langweilig.
So ziehen wir uns zurück in unsere Doppel- Cabin mit zwei Schlafzimmern. Unsere innere Uhr weiß auf Anhieb nicht, ob wir dabei nun früh oder spät ins Bett gehen.