Nun sind wir wohl alle krank. Als letzten hat es Oskar in der Nacht mit einem Fieberschub erwischt, den Susanne mit einer Dosis Nurofen in die Schranken wies.
Nach dieser furchtbaren Nacht lassen wir es ruhig angehen, zumal sich das Programm heute recht entspannt präsentiert.
Frühstück mit Blick auf die Felsen des Monument Valley, dazu einen guten Kaffee; das ist schon genial, auch wenn der Wind und die gleißende Sonne einen Aufenthalt auf der Terrasse unmöglich machen.
Die fünfköpfige Familie aus Texas, die gestern erst spät in der Dämmerung ankam, ist derweil schon wieder auf dem Sprung; "arrive last and leave first". Der Vater hat jedoch wohl keine Lust oder Zeit zum Smalltalk.
Nach dem Frühstück nehmen auch wir Abschied von unserem wunderbaren Häuschen. Es ist schon ein Jammer, dass wir in einer der besten Unterkünfte die bisher schlechteste Nacht hatten.
Wir fahren heute noch einmal auf der US 163 durch das Monument Valley bis zum Forrest Gump Point.
Heute Vormittag steht die Sonne optimal, und wir genießen diese vielleicht klassischste Straße des amerikanischen Westens in vollen Zügen. Hier waren alle unterwegs, zu Pferd - wie John Wayne in STAGECOACH -, mit dem Motorrad - wie Peter Fonda und Dennis Hopper in EASY RIDER -, mit einer Zeitmaschine - Michael J. Fox in BACK TO THE FUTURE III - oder zu Fuß - natürlich Tom Hanks in FORREST GUMP.
Heute Vormittag steht die Sonne optimal, und wir genießen diese vielleicht klassischste Straße des amerikanischen Westens in vollen Zügen. Hier waren alle unterwegs, zu Pferd - wie John Wayne in STAGECOACH -, mit dem Motorrad - wie Peter Fonda und Dennis Hopper in EASY RIDER -, mit einer Zeitmaschine - Michael J. Fox in BACK TO THE FUTURE III - oder zu Fuß - natürlich Tom Hanks in FORREST GUMP.
Am schönsten Lookout mit Blick auf Highway und Felsen mischen wir uns unter die Dutzenden von Touristen, die auch diese eine Perspektive auf den Chip bannen wollen; sogar ein Bus hält hier an.
Als wir wieder in der richtigen Richtung unterwegs sind und die Grenze nach Arizona überqueren, hat der Wind aufgedreht und es tobt erneut ein Sandsturm; wie gestern und auch wie bei unserem Besuch 2019, wir kennen das Monument Valley nur bei Starkwind.
Über die eintönige Straße gelangen wir nach 20 Minuten nach Kayenta. Der Anblick dieser Stadt aus schmuddeligen Flachdachhäusern und Baracken in allen Erhaltungsstufen zwischen gepflegt und verwahrlost ist im Sandsturm an Trostlosigkeit kaum zu überbieten.
Wir biegen hier wieder auf die US 160 ein, die wir ja bereits gestern und vorgestern von Durango bis New Mexico benutzt hatten, und folgen ihr für 32 Meilen durch zunehmend eintöniger werdende Halbwüste.
Mit dem Wechsel auf die in Richtung Page führende Arizona 98 wird die Landschaft keinesfalls spannender. Allenfalls einige pittoreske Steinformationen sorgen für etwas Abwechslung auf den endlosen Geraden der Langeweile.
Erst als die Straße langsam aber stetig zum Colorado River hinunterführt und dadurch ein wenig Pamorama ermöglicht, wird es interessanter. Irgendwann spitzt zwischen den Hügeln sogar eine Ecke des Lake Powell hervor.
Kurz bevor wir Page erreichen fahren wir am proppevollen Großparkplatz des Antelope Canyons vorbei. Eigentlich ist der Besuch einer der beiden weltbekannten Slot Canyons mit ihren bunten Felsen und den grandiosen Lichtspielen ein Pflichtprogramm. Jedoch haben wir uns nach intensiver Internetrecherche gegen einen Besuch entschieden. Zum einen ist es dort einfach so unverschämt teuer, dass es uns das einfach nicht wert ist, Oskar hätte zudem auch fast voll bezahlen müssen; zum anderen und noch wichtiger ist, dass dort in den schmalen Canyons inzwischen ein irrwitziger Betrieb herrschen muss, welcher das Erlebnis stark eintrübt. So fahren wir mit ein wenig schweren Herzen vorbei.
An den Resten der Anlagen der Navajo Generating Station, dem stillgelegten Kohlekraftwerk der Navajo Nation, vorbei kommen wir nach Page.
Der Ort wurde erst 1957 im Zuge des Baus des Glen Canyon Damms gegründet und ist damit eine der jüngsten der USA. Heutzutage ist Page die Touristenschleuse für nahezu den gesamten Tourismus am bzw. auf dem Lake Powell.
Dass es hier rechts und links der Durchgangsstraße mehr oder weniger gar nichts zu sehen gibt, ist eine lockere Untertreibung; der Ort scheint ausschließlich aus Hotels, Restaurants und Tankstellen zu bestehen, dazu gibt es einen Golfplatz mit in der Wüste absurd grün scheinenden Fairways sowie einen Walmart.
Trotzdem hat Page für uns eine Besonderheit zu bieten: Wir sehen nach insgesamt inzwischen gut 25.000 Kilometern, die wir auf amerikanischen Straßen unterwegs sind, den allerersten Verkehrsunfall im Sinne eines Zusammenstoßes. Für die Beteiligten hier und heute auf jeden Fall bitter, ist das für uns im Gegenteil ein handfestes Indiz, wie verhältnismäßig sicher die Straßen in den Staaten sind.
Über die filigrane 213 Meter hohe Glen-Canyon-Brücke überqueren wir den Colorado River und halten kurz am Infocenter des Glen Canyon Dam.
Dieser 216 Meter hohen Staudamm staut den Colorado zum Lake Powell, den wir ja schon vor einigen Tagen auf dem Weg nach Monticello beinahe berührt hatten. Dieser gewaltige See hat bei höchstem Pegel eine Länge von 300 Kilometern und eine Küstenlinie, die mit 3.153 km länger ist als die gesamte Westküste der USA; es dauerte mehr als 17 Jahre, um ihn aufzustauen.
Dass die letzten 20 Jahre von niedrigen Waaserständen geprägt sind, wird hier offen thematisiert; der See käme trotz der weniger gewordenen Niederschläge einer seiner Zentralaufgaben nach, nämlich der Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit Wasser auch in Dürreperioden. Der Stromertrag aus dem Wasserkraftwerk ist dagegen gemessen an der Größe des Stausees und der mit ihm einhergehenden weitreichenden Umweltumwälzung eher überschaubar: 1,25 Gigawatt, das ist in etwa ein Braunkohlekraftwerk.
Leider ist der gesamte See nur an weniger als einer Handvoll Stellen zugänglich. Wir beschränken unseren Besuch neben dem Informationscenter deshalb auch nur auf eine Fahrt zum Wahweap Overlook oberhalb der gleichnamigen Marina. Auch wenn man von dort aus nur einen winzigen Teil des riesigen Sees sieht, kann man sich doch ein wenig ein Bild von ihm machen: Blaues Wasser eingezwängt zwischen roten Felsen. Leider ist es hier oben so windig, dass wir zügig nach Page zurückfahren, um unser Hotel zu suchen.
Dabei stellt sich uns die Frage, wie spät es ist. In Arizona gilt die Mountain Standard Time, wie auch in Utah und Colorado. Jedoch boykottiert der Staat ja die Sommerzeit, nur die Navajo Nation setzt diese um. Also sind wir bereits auf kalifornischen Zeit und stellen die Uhr eine Stunde zurück, nachdem wir vorher sicherheitshalber im Internet die aktuelle Uhrzeit für Page nachgeschaut haben, sicher ist sicher. Dabei fragen wir uns, wieviele Anwärter für die Antelope Canyons ihre sündteuren Slots verpasst haben, weil sie sich in der Zeit vertan haben.
Wir sind heute zu Gast im Super 8 by Wyndham; das ist eine dieser gesichtslosen Hotelketten, deren Häuser man des öfteren an den High- und Freeways zu sehen bekommt. Der erste Eindruck ist lediglich mittelprächtig: Eine nackte unterkühlte Halle, ein mäßig freundlicher Empfang durch einen kaum verständlichen jungen Mann, abgestoßene Gänge, ein sichtlich benutzer, trotzdem erst sechs Jahre alter Aufzug und ein zwar sehr großes aber dunkles und recht hellhöriges Zimmer.
Aber es ist sauber, und für eine Nacht reicht es - was wahrscheinlich exakt die Philosophie dieser Ketten ist.
Einziges echtes Manko ist der extrem laut summende Kühlschrank. So gehe ich wieder zur Rezeption hinunter und versuche, das Problem zu lösen. Das Hotel sei ausgebucht, sagt der junge Mann, aber er würde versuchen, dass wir einen anderen Kühlschrank bekämen. Das funktioniert dann innerhalb einer halben Stunde, was für das Hotel spricht.
Beim benachbarten Burger King - dies erscheint uns um diese Zeit das einzige halbwegs akzeptables Lokal hier zu sein - essen wir spät zu Mittag oder früh zu Abend, je nachdem. Bei der herrschenden Hitze und dem starken Wind fahren wir völlig amerikanisch die 200 Meter mit dem Auto hin. Auch dieser Laden ist wahrlich kein Aushängeschild seines Konzerns. Aber so scheint sich uns Page wohl zu präsentieren: Langweiliger Durchschnitt ohne Klasse.