Sonntag, 18. Juni 2023

15. Juni 2023 Moab UT - Cedaredge CO

Nach der Fülle von eindrucksvollen Nationalpark-Tagen steht heute ein eher unspektakulärer Tag an. Ziel ist es, nach Colorado zu kommen, um in den nächsten Tagen die dortigen Nationalparks besuchen zu können.
Der Himmel ist bedeckt, als wir aufstehen, es kommt jedoch bald die Sonne hervor.
Nach dem Auschecken im KOA-Campground suchen wir in Moab eine Gelegenheit für ein Frühstück to go. Dafür steuern wir einen anderen Supermarkt an als vorgestern, der außen Werbung für eine eigene Bakery und für Frühstück macht. Wir werden allerdings in diesem Shop nicht fündig was Kaffee betrifft, und so steuern wir notgedrungen einen Block weiter eine McDonald's-Filiale an. Doch auch hier werden wir nur bedingt glücklich. Zunächst fehlt Susannes Latte in der großen Tüte, so dass sie noch einmal in den Laden zurückgehen muss, dann ist mein ausdrücklich als "normal" bestellter Kaffee gesüßt; ich verwerfe ihn nach zwei Schlucken.
Mehr Glück haben wir mit der Auswahl unserer Route. Die Utah State Route 128 biegt am Stadtrand von Moab in die Schlucht des Colorado Rivers ein. Sie folgt als ausgewiesene Scenic Route dem Fluss und führt uns als kurvenreiche Straße durch das enge gewundene Tal. Beiderseits des Flusses ragen hohe rote Sandstein-Felswände in den Himmel, die sich mal als glatt, mal als zerklüftete Felsbastionen präsentieren.
Auf dem Fluss sind gelegentlich Gruppen von bunten Rafting-Schlauchbooten zu sehen; das muss in dieser Kulisse ein Abenteuer sein, denn der Colorado fließt recht zügig dahin und hat auch gelegentlich ein paar Stromschnellen.
Später öffnet sich das Tal zu einer weiten Prärielandschaft mit fernen Bergen als Horizont. Die Straße entfernt sich nun vom Fluss und wird ein wenig rumpliger, als sie auf Cisco zusteuert. Von weitem sieht der Ort mit einigen Häusern wie eine Ghost Town aus, jedoch stehen direkt am Weg Werbungen für kaltes Bier und für den geöffneten General Store; von weitem würde man nicht vermuten, dass hier überhaupt noch jemand wohnt.
Kurz darauf fahren wir auf die Interstate 30 auf und erreichen bald die Grenze nach Colorado; nach Nevada der zweite neue Bundesstaat auf unserer Reise.
In Fruita verlassen wir die Autobahn. An einer Tankstelle hören wir mehrmals  unverkennbar das nicht ganz ferne Dröhnen einer Eisenbahnhupe. Susanne entscheidet blitzschnell, dass wir uns den Zug anschauen und fragt, wo sie hinfahren soll. Instinktiv finden wir den Weg zum kleinen Güterbahnhof des Ortes, wo eine Union Pacifik-Doppellok einige Waggons rangiert. Ich suche mir eine gute Fotostelle aus, an der die Lok bei ihrer Rangierfahrt vorbeirumpeln muss, da werde ich auch schon freundlich angesprochen von einem der Rangierer. Er gibt mir einige Hinweise, wie lange es noch dauert - "only a couple of minutes" - und dass dies eine eher unbedeutende Strecke sei mit wenig Verkehr, deswegen hätte ich das hier und jetzt gut abgepasst. Dann kommt die Lok auch schon ins Bild gerollt und mir gelingt trotz Gegenlicht ein recht stimmungsvolles Foto.
Nach diesem kleinen erfolgreichen Bahn-Abenteuer - Eisenbahnbilder lassen sich auf so einer Rundfahrt nicht planen - steuern wir das Colorado National Monument an, das direkt am Rand von Fruita beginnt.
In diesem Naturschutzgebiet erheben sich imposante Felsmassive über das weitläufige Tal des Colorado Valleys. Nachdem geotektonische Effekte hier eine immense Abbruchkante entstehen ließen, hat die Erosion diese Gebirgslandschaft teilweise abgetragen, wodurch viele Schluchten und Canyons entstanden sind. Eine Panoramastraße, der Rim Rock Drive, verläuft immer an den Kanten und Schluchten entlang.  Diese spektakuläre Straße wollen wir uns nicht entgehen lassen und fahren in vielen Windungen und Kehren sowie durch zwei kurze Tunnel zum  Hochplateau hinauf.
23 Meilen ist dieser Scenic Drive lang, gebaut zur Zeit der großen Depression in den frühen 30er Jahren; er sollte ausdrücklich "dort verlaufen, wo sonst nur Vögel fliegen"; all dies erfahren wir bei unserem Kurzstopp beim Visitor Center.
Dann fahren wir oben entlang, immer den Rändern der Canyons folgend. Es gibt spektakuläre Aussichtspunkte, zum Beispiel auf den Independence Rock, der sich wie ein Monolith in einer weiten Schlucht erhebt. 
Immer wieder treffen wir entlang der Straße auf Bighorn Schafe, die ohne Scheu vor Autos an der Straße äsen oder diese überqueren.
Es ist ziemlich schwül, gelegentlich fallen ein paar Regentropfen, und in der Ferne ist vereinzelt Donner zu hören.
Die Straße endet in einer langen Abfahrt hinunter nach Grand Junction, der ersten größeren Stadt seit Cedar City UT. Hier kann ich nach den Einkäufen in den trockenen Einkaufsmärkten Utahs in einem Liquor Store die Feierabendbier-Vorräte ergänzen, danach halten wir bei nun strömendem Regen kurz bei Walmart. Als wir den Markt verlassen ist die Sonne wieder hervorgekommen, und sofort wird es wieder schwül.
Der letzte Teil der heutigen Etappe führt uns auf der US 50 zum letzten Mal heute über den Colorado River und aus der Stadt heraus. 
Vierspurig fahren wir nun durch zwischenzeitlich dünn besiedelte Prärie, die linker Hand von bewaldeten Bergen begrenzt wird, während sich rechts über dem offenen Land die nächsten Gewitter zusammenbrauen. 
In Fahrtrichtung begrenzen hohe schneebedeckte Berge den fernen Horizont, irgendwo dort geht unsere Fahrt morgen weiter.
In Delta verlassen wir den US-Highway,  fahren an einem herrlich nostalgischen Autokino vorbei und wenden uns unserem zu Füßen der von dunklen Wolken umschlossenen Bergen gelegenen Tagesziel Cedaredge zu.
Als wir vor unserem Hotel Stay Wise Inn Cedaredge vorfahren, beginnt der nächste Wolkenbruch. So checken wir erst einmal ohne Gepäck ein und werden an der Rezeption von einer jungen Frau, die rasend schnell spricht, sehr freundlich empfangen.
Das Haus ist ein ziemlich düster wirkender 70er Jahre-Flachbau - zeitweise noch in Originalausstattung, ebenso dunkel erscheint unser Zimmer mit dezent erschreckenden Fischbildern an der Wand. Für die Erstellung der Fotos bei booking.com war offensichtlich ein echter Spezialist beauftragt worden. Da es keinen Aufzug gibt, ist später die Organisation der Koffer und der Kühltasche hinauf in den ersten Stock eine kleine logistische Herausforderung.
Oskar freut sich schon den ganzen Tag auf den Hotelpool. Aber auch hier kommt das Haus den Versprechungen nicht nach: Das Becken sei "wegen defekter Heizung" leider nicht beheizt; die Temperatur des kleineren Spa-Pools liegt ein wenig höher, lässt jedoch auch nur ein äußerst kurzes Plantschen zu.
Das Hotel ist also kein Highlight unserer Route. Aber zwischen Grand Junction und dem Übergang nach Durango ist die aus Deutschland buchbare Übernachtungslage ziemlich bescheiden. 
Gleichwohl: Unser Zimmer ist sauber, die Betten gut. Das ist die Hauptsache.
Und nach etwas Suchen finden wir auch genügend Steckdosen für das Aufladen unseres elektronischen Zeugs.