Samstag, 17. Juni 2023

14. Juni 2023 Moab UT - Arches National Park UT - Moab UT

Für einen Besuch des Arches National Park benötigt man ein Permit. Dieses hatten wir schon vor Wochen im Internet bestellt, und zwar für den Einlass-Slot zwischen 7:00 Uhr und 8:00 Uhr.
Dementsprechend früh sind wir heute auf den Beinen, Oskar darf noch bis kurz nach halb sieben schlafen. Ein schnelles Frühstück auf die Hand, ein Kaffee von STARBUCKS, und um kurz vor halb acht passieren wir die Einlasskontrolle. 
Die Einlassregulierung mit Permits resultiert aus dem Anstieg der jährlichen Besucher von mehr als 70% zwischen 2008 und 2022 und der Verhinderung der damit verbundenen chaotischen Zustände im Nationalpark, können wir in einer Nationalpark-Broschüre lesen. Und tatsächlich wird es heute beinahe ruhig zugehen, wir werden keine überfüllten Parkplätze vorfinden und keine Menschenaufläufe. Das ist eine Leistung für einen der populärsten Nationalparks der USA, bedarf aber natürlich strategische Vorplanung; ein spontaner Besuch oder dessen Verschieben bei schlechtem Wetter ist so natürlich nicht möglich. Alternativ könnte man vor 7:00 Uhr in den Park einfahren, so früh wird ein Permit nicht kontrolliert. 
Vor dem Visitor Center werden gerade Stars and Stripes gehisst, als wir vorfahren, es öffnet um halb acht. Wir holen uns den Park- Stempel und sind schnell wieder im Auto.
Über mehrere Serpentinen führt die Straße eine Steilwand hinauf, oben öffnet sich dann bald der Blick auf das weitläufige leicht hügelige wüstenartige Plateau, das die Fläche des Parks ausmacht.
Riesige steil stehende rote Felsplatten begrüßen uns. Angeleuchtet von der Morgensonne unter dunkelblauem Himmel ein wunderschöner Einstieg.
Nächstes optisches Highlight ist der Balanced Rock, ein der Schwerkraft trotzender Felsblock, der auf einer dafür viel zu filigran anmutenden Felsnadel balanciert.
Unser erstes Ziel ist der Landscape Arch im hintersten Parkteil, Devils Garden genannt. Zu diesem vielleicht größten aller Felsbögen muss man hinwandern. Wir statten uns also aus mit Sonnencreme und genügend Wasser - auch hier stehen am Parkplatz unübersehbare Warnungen vor den Gefahren der Wüste - und spazieren in der noch kühlen Morgenluft los.Anderthalb Kilometer sind es bis zu unserem Ziel. Natürlich ist man hier nicht alleine unterwegs, aber es herrscht viel weniger Betrieb als zum Beispiel auf unserer Wanderung im Zion-Park.
Unterwegs kommen wir bereits an zwei weiteren Bögen vorbei, dem Tunnel Arch und dem Pine Tree Arch. Ersterer liegt hoch oben in einer Felswand, letzterem können wir uns bis auf wenige Schritte nähern.
Auf dem Weiterweg äst kaum 30 Meter neben dem Weg ein Deer. Von den vorbeigehenden Menschen nimmt die Hirschkuh keine Notiz, völlig vertraut ist sie mit dem Wandertourismus in ihrem Lebensraum.
Der Landscape Arch ist ein Wunder für sich. So filigran ist er, so hoch und so weit ausladend. 92 Meter Spannweite und 29 Metern Höhe, die nackten Zahlen drücken kaum aus, welchen Dimensionen man hier gegenüber steht. Tatsächlich ist der Bogen deutlich höher und breiter als die Halle des Kölner Hauptbahnhofs. Man steht und staunt.
Mittlerweile ist es kontinuierlich wärmer geworden, Oskar geht die insgesamt drei Kilometer Strecke hin und zurück tapfer mit, ein wenig auch motiviert mit der versprochenen Aussicht auf eine Nutty Buddy- Schokoladen-Erdnusscreme-Waffel.
Als zweiten Besichtigungspunkt wollen wir uns den Delicate Arch anschauen, Wahrzeichen des Parks und des Bundesstaates Utah; sein Bild prangt hier auf jedem Nummernschild. Die Wanderung dorthin dauert eine Stunde, solch eine Wanderung ist für unseren Zwerg dann doch zuviel. Zum Glück gibt es auch aus Entfernung und aus niedrigerer Perspektive zwei Viewpoints,  von denen aus man den Bogen sehen kann. 
Zu dem nahe des Parkplatzes gelegenen Lower Viewpoint gehen Susanne und Oskar, von hier aus schaut man wirklich nur aus großer Distanz auf den berühmten Bogen. Ich nehme den knapp halbstündigen Aufstieg zum Upper Viewpoint in Angriff. Oben auf einem breiten Felsstück angekommen, liegt der Arch dann wirklich deutlich näher, vor allem mit dem Tele. 
Insgesamt ist uns nicht erklärlich, warum ausgerechnet dieser Bogen solche Popularität genießt. Es gibt größere, spektakulärere und schöner gelegene. Seis drum, beim nächsten Besuch hier werden wir auch dort hinaufwandern, vielleicht werden wir ja dann noch zu Fans.
Unser drittes Besuchsziel ist die sogenannte Windows Section des Parks. Hier ballen sich die Arches in großer Zahl, und viele lassen sich mit kurzen Spaziergängen erreichen. Während Susanne und Oskar zum Double Arch spazieren, zwei unmittelbar hintereinander liegenden Steinbögen, steige ich auf zum North and South Window. Hier liegen zwei Steinbögen nebeneinander. Als wir uns am Auto wiedertreffen, empfiehlt mir Susanne, auch noch kurz zum Double Arch zu gehen, das sei "phänomenal". Und tatsächlich: Die Bögen erinnern an die hohe Decke einer Kathedrale, welch eine Laune der Natur, auf kleinstem Raum dieses Gesamtkunstwerk zu schaffen.
Auf der Fahrt aus dem Park heraus sehen wir noch mehrere Bögen - insgesamt soll es hier nicht weniger als 2.000 bogen- oder fensterartige Felsformationen geben.
Natürlich stoppen wir noch einmal am nun in schönster Sonne stehenden Balanced Rock.
Danach halten wir noch hier und da und schauen uns noch mehrere Gesteinsformationen und Felstürme an, leider zieht es sich nun ein wenig zu. Aber auch ohne Sonne haben wir noch einmal herrliche Aussichten.
Bei all den spektakulären Highlights dieses Parks und seiner wunderbaren Wüstenlandschaft ist es erstaunlich, dass Arches zwar schon 1929 zum National Monument erklärt wurde, seine Erhebung zum National Park jedoch erst 1971 durch Präsident Nixon erfolgte.
Red Rock Wonderland heißt der Park im Volksmund. Das können wir aus vollem Herzen bestätigen, als wir Arches am Nachmittag wieder verlassen.
Unser Abendessen holen wir uns bei SUBWAY in Moab; die Sandwiches essen wir dann auf unserer Terrasse. Es  hat sich dunkel zugezogen, und bald bricht dann auch ein Schauer los und wir müssen nach drinnen flüchten und zu Ende essen.
Ein großer und von uns oft genutzter Vorteil von KOA-Campgrounds sind die meist perfekten Laundrys. Als ich mit unserer Wäsche über den Platz gehe und die RVs betrachte, merke ich, dass mir das Camper- Leben ein wenig fehlt.  Das Übernachten in Motels, Hotels oder Cabins ist nicht zu vergleichen mit dem Dasein als Camper in einem RV. Es ist entfernter vom Leben um uns herum, ähnelt ein wenig einer Pauschalreise - oft ohne einen über "We’ve got a reservation for tonight" hinausgehenden Kontakt zu den Einheimischen; auch das leicht Abenteuerliche einer Wohnmobil-Tour kommt ein wenig zu kurz. Susanne sieht es auch so, auch ihr geht das typisch Amerikanische ein wenig ab.
Sei es wie es sei: Unsere diesjährige Nationalpark-Rundtour wäre mit einem RV kaum möglich wegen der doch recht weiten Fahrtstrecken, die in einem Auto deutlich entspannter sind, und der manchmal sehr eingeschränkten Parksituation in der Nähe touristischer Highlights.
Wir lassen diesen Tag voller Eindrücken ganz ruhig ausklingen, voller Freude über die reichlichen Erlebnisse.