Donnerstag, 15. Juni 2023

13. Juni 2023 Monticello UT - Moab UT

Heute wollen wir irgendwie nicht wach werden, auch weil Oskar die Nacht sehr unruhig war. Erst um 8 Uhr zwingen wir uns aufzustehen. 
Es erweist sich als schwierig, in Monticello ein Frühstück zu bekommen. Mit einem geschmierten Brot können wir uns im Motelzimmer aushelfen, aber die Suche nach einem Kaffee bleibt vergeblich. Der einzige Diner des Ortes hat heute Ruhetag, und die Angestellte an der Rezeption zuckt auf die Frage, wo es denn hier einen guten Kaffee gäbe, nur mit den Schultern und sagt, keine Ahnung, sie sei nicht von hier. 
So starten wir ohne Kaffee und fahren weiter auf der US 191 nordwärts.
Am monolithischen Church Rock biegen wir zunächst Richtung Needles-District des Canyonlands National Park ab, drehen dann aber bald um, da mit Blick auf die Uhr der für uns günstiger gelegene Island in the Sky District desselben Nationalparks interessanter erscheint. Vorbereitung auf einen Nationalpark on the run erweist sich manchmal nicht als beste Variante. 
Auf dem US-Highway rollen wir nun bei schönstem Sonnenschein durch eine nie langweilig erscheinende Landschaft Richtung Moab. 
Zu unserer Rechten ragen die schneebedeckten La Sal Mountains auf, über ihnen ballen sich schon am Vormittag die Wolken mit großer Dynamik. Ihre Namensgebung ist kurios: Als ihre spanischen Entdecker sie sahen, konnten sie sich nicht vorstellen, in diesem heißen Wüstengebiet Schnee zu finden; sie hielten die weißen Kuppen für reines Salz und nannten den Gebirgszug Sierra de la Sal, Salzige Berge.
Im Gegensatz zu unseren RV-Urlauben sind wir heuer kein Verkehrshindernis, unser Chevi Tahoe hat weit mehr als genug Power, um mit den wie überall in den USA rasenden Trucks locker mithalten zu können. Und wenn Susanne zur Freude unseres Zwergs mal richtig aufs Gas tritt, springt der SUV mit heulenden Motor jubelnd nach vorne. Fahrspaß pur. "Beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit waagerecht zum Ohr hin abfließen“ wusste schon der große Walter Röhrl.
Am Ortseingang von Moab lassen wir den KOA-Campground zunächst rechts liegen, denn für das Einchecken in unserer für heute und morgen gebuchten Cabin sind wir noch zu früh.
Statt dessen rollen wir durch die Stadt entlang der Main Street. Diese scheint eine nicht enden wollende Mischung aus Übernachtungsmöglichkeiten, Lokalen sowie Agenturen für Freizeitaktivitäten aller Art zu sein. Einige Meilen später biegen wir in Richtung Canyonlands National Park ab. Wieder sind etliche Meilen abzureißen, bis wir die Parkeinfahrt erreichen.
Direkt dahinter hat sich von der Einlasskontrolle ein respektabler Stau gebildet. Ein Schild gibt Auskunft, dass es von hier an noch 30 Minuten Wartezeit braucht. Das frustriert zunächst, auch da wir bereits Mittag haben, aber wir beißen die Zähne zusammen; wir werten es als Einstimmung auf den Yosemity National Park und sein legendäres Verkehrschaos. Letztendlich geht es dann aber doch deutlich schneller, und wir erreichen nach kaum 20 Minuten die Kontrolle. Eine freundliche Park Rangerin in Gesprächslaune schaut auf unsere Jahreskarte, vergleicht diese mit meinem Personalausweis, hat für Oskar und seine aus dem Fenster gehaltene Stoffgiraffe auch noch freundliche Worte und wünscht uns schließlich "Have a great day".
Erster Anlaufpunkt ist wie immer das Visitor Center, gegenüber eröffnet sich gleich ein prächtiger Tiefblick in einen der vielen Canyons.
Wir steuern als erstes das Wahrzeichen des Parks an, den Mesa Arch, der in jedem Buch über des Westen Amerikas abgebildet ist.
Wir haben Glück und finden zügig eine freie Stelle auf dem übervollen Parkplatz, dann ist noch eine Viertelstunde Fußweg zu absolvieren, immer der Masse nach.
Der Felsbogen ist zu unserer Überraschung sehr viel kleiner als gedacht, die vielen Fotos lassen ihn deutlich größer erscheinen. Gleichwohl ist der Blick unter ihm hindurch auf die dahinter liegenden Felsen und Schluchten schlicht fantastisch. 
Vor dem Bogen hat sich eine Schlange derjenigen gebildet, die ein Selfie machen wollen; witzigerweise hat man neben dem Fotostandpunkt der Instagram-Jünger einen deutlich schöneren und viel beeindruckenderen Blick auf dieses Beispiel von Perfektion der Natur.
Zurück am Parkplatz sind wir ein wenig zugeparkt. Ich beginne gerade, Susanne herauszuwinken, da kommt die Familie aus Michigan, die die Parklücke vor uns besetzt hat und zeitgleich mit uns losgewandert ist, auch wieder zu ihrem Auto zurück. Der Vater sieht mich einweisen, sagt, das muss doch nicht sein, sie würden jetzt auch losfahren. "Hurry up, guys, they are waiting" ruft er seiner Familie zu, und keine halbe Minute später haben vier Kinder und zwei Erwachsene sich und ihre Rucksäcke im Auto verstaut und fahren los. Wir sind begeistert.
Nach dem Pflichtbesuch des Mesa Arch fahren wir weiter zu den Aussichtspunkten auf die Schluchten des Colorado und seiner Zuflüsse. Inmitten einer eben erscheinenden Landschaft hat das Wasser ein System abgrundtiefer Schluchten herausgefräst; so tief, dass man den Fluss überhaupt nicht sehen kann. Alles wirkt völlig unberührt, der an der Kante der Schlucht entlangführende Wanderweg ist das einzige Zeichen von Zivilisation. Rings herum haben sich inzwischen die nachmittäglichen Regen- und Gewitterwolken aufgetürmt, Susanne sieht sogar einen Blitz in der Ferne, während bei uns die Sonne scheint. 
Ein Vater aus Wyoming mit Kleinkind in der Kiepe steht neben mir und meint mit Blick auf die Canyons: "It's hard to believe, isn’t it?" Besser kann man dieses unfassbare Panorama nicht beschreiben. 
Mit Umweg über zwei weitere Lookouts verlassen wir den Nationalpark wieder. Ein kurzer, aber ungemein eindrucksvoller Besuch.
Den späten Nachmittag haben wir für ein Oskar-Schmankerl reserviert: Wir besuchen "Moab Giants", einen Dinosaurierpark. Hier sind eine große Zahl Dinos in Lebensgröße ausgestellt, vom kaum Labrador-großen Zwergsaurier über den aus JURASSIC PARK bekannten Velociraptor bis zum Doppeldeckerbus-großen Tyrannosaurus Rex, der auch uns Erwachsene schwer beeindruckt. Und wenn das ganze in und vor allem vor der wilden Kulisse der Felsen Utahs präsentiert wird, wirken die Exponate noch echter.
Während Oskar voller Begeisterung von Dino zu Dino läuft, beschäftigen mich eher die Gedanken an die hier dargestellte, über Jahrmillionen in vielen Facetten äußerst erfolgreiche, letztendlich aber doch untergegangene Evolution.
Auf der Fahrt zu unserem Campground stoppen wir noch in Moab an einem Supermarkt. Dieser ist sehr gut sortiert - außer beim Alkohol -, jedoch auch unglaublich hochpreisig. Die Ferienhochburg Moab ist ein äußerst teures Pflaster, das hatten wir schon bei der Suche nach unserer Unterkunft festgestellt.
Bei der Ankunft bei KOA empfinden wir vertraute Gefühle. Bei dieser Campground- Kette hatten wir auch auf unseren RV-Touren des öfteren übernachtet und uns dort fast immer sehr wohl gefühlt. Unsere Residenz für die nächsten zwei Nächte ist eine "Deluxe- Cabin" an der der US 191 abgewandten Seite des Platzes. Außen funktional, innen mit überschaubaren Ausmaßen - die Flachdachhütte auf dem Campground in Lone Pine, CA war doppelt so groß -, jedoch hochwertig mit Holz ausgeschlagen, sehr sauber und  fast neuwertig eingerichtet. Einziges Manko bei ansonsten einwandfreiem Interieur: Der Kühlschrank hat kein Gefrierfach für unsere Kühlakkus.
Auf der Terrasse vor der Hütte stehen robuste Holzmöbel; hier essen wir zu Abend.
Oskar spielt nach dem Essen erst auf der wilden Freifläche nebenan, dann mit seinen Autos auf der Terrasse, bis uns allen zu kühl wird und wir den Tag beschließen.