Montag, 12. Juni 2023

10. Juni 2023 Hatch UT - Escalante UT

Eigentlich haben wir heute kein Frühstück in unserem Motel, so steht es zumindest in der Buchungsbestätigung. Jedoch hat uns Nicole, die freundlichen Chefin des Riverside, gestern gesagt, es gäbe ab 7 Uhr ein kleines Continental Breakfast im Aufenthaltsraum, wo sich auch das Office befindet.
Das nehmen wir gerne an. Als wir den Raum betreten, läuft LEARNING TO FLY von Tom Petty, ein gute Begrüßung. Es gibt einen langen Tisch, an dem alle sitzen die gerade frühstücken - so groß ist das Motel ja nicht. Wir sitzen schließlich zusammen mit einer größeren Gruppe, die sich anscheinend hier beim täglichen morgendlichen Zusammensitzen kennengelernt haben. Sie sprechen ungeheuer schnell und daher kaum verständlich, jedoch wendet sich Bruce, der neben mir sitzt, an uns und wir kommen mit ihm ins Gespräch. Wir sind überrascht, wie grün Utah ist, meinen wir, wir hätten eigentlich nur Wüste erwartet. „Utah is mostly a desert“, sagt Bruce, wie grün das Land im Jahr werde hänge vom Schnee ab. Liegt genug Schnee und vor allem lange genug, würde sich der Boden mit Feuchtigkeit vollsaugen, und dann bleibt alles lange grün. Jedes Jahr sei anders: Heuer ist alles üppig, letztes Jahr wäre im Sommer das Wasser rationiert worden. Das Problem in Utah sei, dass die Leute nicht so lebten, als würden sie in der Wüste wohnen, man sei mit dem Wasser viel zu verschwenderisch, völlig anders als zum Beispiel in Nevada. Sebastian, ein anderer der Gruppe, fragt, ob wir im Zion Park den Angels Landing-Hike gemacht hätten. Mit dem Kleinen ginge das noch nicht, antworten wir, außerdem braucht man ja ein zugelostes Permit. Das überrascht ihn, er war dreimal oben, ohne Reglementierungen, aber das sei nun auch schon "a couple of years ago".
Wir starten um kurz vor neun und damit später als geplant - Frühstücken kostet Zeit. Wieder folgen wir der US 89 entlang des Sevier River. So reichlich dieser hier dahinfließt, so traurig ist sein Schicksal: Nach einer fast 500 Kilometer langen Runde durch das südliche Utah verdunstet sein Wasser in einer abflusslosen Ebene in der Wüste.
Wir steuern erneut den Bryce Canyon National Park an, um das Felssäulen-Spektakel in der Morgensonne zu erleben. Heute ist Samstag, entsprechend frequentiert ist der Parkplatz des Aussichtspunktes am Sunset Point, wir müssen ein paar Runden drehen, bis wir einen freien Platz finden. 
Im Vormittagslicht mit leicht verhangener Sonne sehen die Steine völlig anders aus als gestern, sie leuchten in orange und rot. Wir sind begeistert, und für mich rundet sich mit diesem Bild das Erlebnis Bryce Canyon ab. 
Wir sehen hier aus Entfernung auch "Thors Hammer", dieser schlanke Hoodoo mit großem Stein obenauf ist so etwas wie das Wahrzeichen hier. 
Eine Wanderung hinunter in die Felsen wäre von hier aus problemlos möglich, die beiden populärsten Wege heißen "Navajo Trail" und "Wallstreet". Für solche Abenteuer ist unser Zwerg jedoch noch deutlich zu klein.
Statt dessen fahren wir auf dem parallel zur Abbruchkante verlaufenden Scenic Drive entlang. Die Straße führt über 18 Meilen bis zum Rainbow Point, mit 2.800 Metern der höchste Punkt des Parks. Von hier aus schaut man kilometerweit über die Felsabbrüche und in die Ebene, ein völlig anderer Anblick als der von den Aussichtspunkten im Bryce Amphitheater.
Auch eine Natural Bridge gibt es zu sehen, der Scenic Drive wartet für diese mit einem eigenen Parkplatz auf.
Oskar entwickelt sich mit seiner eigenen ersten Fotokamera zum Fotoprofi und ist mit Begeisterung dabei, alles (und jeden) auf seinen Chip zu verewigen. 
Glücklich über das Erlebte und Gesehene verlassen wir den Bryce Canyon National Park. Zu Recht wie wir finden gilt er als einer der spektakulärsten Parks der USA, in seiner Großartigkeit vielleicht nur noch getoppt vom Grand Canyon.
Genug der Schwärmerei, wir biegen ein in die Utah State Route 12, ein ausgewiesener Scenic Byway.
Auf den Schildern der High- und Byways in Utah findet sich übrigens stets ein Bienenkorb als Symbol, im Gegensatz zu den übrigen USA, die hier in der Regel die Umrisse des jeweiligen Bundesstaates abbilden. Hintergrund ist, dass Utah als "The Beehive State" gilt. Dieser Beiname erklärt sich daraus, dass die gründenden Mormonen den Bienenkorb als Symbol des Fleißes zum Wahrzeichen des Staates machten.
Wir verlassen nun für einige Tage die touristischen Hauptrouten und sind, kaum dass wir den Nationalpark hinter uns gelassen haben, nahezu allein unterwegs. 
In Tropic, dem ersten Ort unterwegs, kehren wir in The Pizza Place ein, nach den vielen Bürgern und Bagels bisher haben wir Lust auf eine „kulinarische“ Abwechslung. Die Pizza schmeckt so, wie man sie sich in Amerika vorstellt, mit viel Käse, der in langen Fäden kaum zu zerteilen ist, und einem Belag, den man in Deutschland nicht unbedingt auf dem italienischen Nationalgericht erwarten würde: Ich wähle die Chicken BBQ Pizza, diese Kombination schmeckt wahrscheinlich wohl nur in Amerika.
Nach dem Essen hat sich die Sonne endgültig gegen den pessimistischen Wetterbericht durchgesetzt. 
Wir folgen auf der #12 einer Gruppe Motorradfahrer, die in den Kurven und auf den Geraden des öfteren einen schönen Vordergrund abgeben.
Vor lauter Begeisterung über die sehr schön zwischen Felsen und Wiesen verlaufende und fast völlig verkehrsfreie Straße verpassen wir den Abzweig zum Kodachrome Basin State Park und müssen ein paar Meilen zurück.
Dieser Park ist bekannt für seine stark erodierten Felsformationen in unterschiedlichen Farbtönen, vor allem in kräftigem Rot, aber auch Gelb, Rosa, Weiß und Braun. Eine Besonderheit ist das Vorkommen zahlreicher spitzer Felskamine und Felsnadeln, den Chimneys; insgesamt sollen es über 70 sein. Wir sehen einige von ihnen, die sehr fotogen mit den grünen Sträuchern und dem inzwischen blau-weißen Himmel harmonieren.
Aus diesem Farbspektrum resultiert auch der Name des State Parks: In einem Artikel im National Geographic wurde das Gebiet Kodachrome Flat benannt, nach Kodaks farbsatten Diafilm Kodachrome. Kodak hat denn auch bei der Parkgründung eine offizielle Genehmigung für die Verwendung des Markennamens erteilt.
Wir finden den Park reizvoll, er lässt sich aber eher wandernd als mit dem Auto auf der Durchreise erkunden. Der örtliche Scenic Loop ist eine überschaubar lange Stichstraße von der Einlasskontrolle in einen Wendehammer, er bietet aber einige schöne Ausblicke.
Wieder zurück auf unserer Route fahren wir ein in das Gebiet des Grand Staircase Escalante National Monument, ein fast 7.700 Quadratkilometer großes Naturschutzgebiet, zu finden in einem der abgelegendsten Gebiete der USA.
Durch dieses führt nur unsere Utah State Route 12, rechts und links der Straße breitet sich die Einsamkeit aus. 
Nach einer knappen Stunde erreichen wir Escalante, einzige Siedlung im Schutzgebiet, die den Namen Ortschaft halbwegs verdient.
Heute übernachten wir wieder auf einem Campground, dem "Escalante Cabins & RV Park", wo eine sehr gemütlich eingerichtete Holzhütte auf uns wartet. Wir fühlen uns hier direkt wohl.
Heute sind wir wieder recht früh angekommen, so bleibt ein wenig Zeit zur Ruhe. Oskar breitet seine Spieldecke und seine Autos auf der Terrasse aus, geht dann noch lang mit Susanne auf den kleinen Spielplatz des Campgrounds, und mit Umweg an der Eistruhe im Office vorbei. Ein Nachmittag ganz nach dem Geschmack von Oskar.