Wir haben uns heute den Wecker gestellt, um möglichst früh in Richtung Zion National Park aufbrechen zu können. Durch die Zeitumstellung ist die Nacht dadurch recht kurz.
Das frühe Hotelfrühstück kann leider nicht mit dem ansonsten gebotenen Standard mithalten, denn die Auswahl ist deutlich dürftiger als erwartet. Immerhin kommen wir mit einem sehr sympathischen Ehepaar am Nachbartisch in ein kurzes Gespräch.
Auf der Interstate, die wir für ein paar Meilen benutzen, steht dann allerlei Nationalpark- Prominenz auf den Schildern an der Ausfahrt: Neben Zion auch Grand Canyon und Bryce Canyon, dazu mehrere State Parks.
In den Nationalpark sind wir insgesamt eine Stunde unterwegs. Nachdem wir die Kleinstädte Hurricane und La Verkin durchquert haben, führt unsere Route durch eine 1a-Wildwestkulisse
An der Einlasskontrolle des Zion NP endet der Fahrspaß dann jedoch in einem fulminanten Stau. Wir fragen uns, wo die ganzen Autos herkommen, war die Straße doch vorher recht leer. Nach einer Viertelstunde haben wir uns langsam aber stetig vorgearbeitet. Die Kontrolle wird auf uns nicht erklärbare Weise gehandhabt: Die meisten Autos müssen neben den Ticketformalitäten irgendwelche Zettel ausfüllen, was ziemliche Zeit in Anspruch nimmt, dann werden jedoch auf einmal auch mehrere Autos einfach ohne weiteres durchgewunken, so auch wir.
In den Zion-Canyon darf man dann nicht einfach reinfahren, sondern stellt das Auto beim Visitor Center auf riesigen Großparkplätzen ab und benutzt dann einen eng getakteten Shuttlebus. Das ist hervorragend organisiert und klappt wie am Schnürchen, vor allem wenn man wie wir das Glück hat, einen Parkplatz in der ersten Reihe und ganz nah am Besucherzentrum zu ergattern.
An der Bushaltestelle zeigt sich, auf welche Menschenmassen der Park eingestellt ist, denn es gibt einen großen Wartebereich zum Anstellen mit großer Kapazität. Heute morgen arbeitet man zum Glück nicht an der Kapazitätsgrenze, und wir können schon in den zweiten Bus einsteigen.
Während der Fahrt habe ich ein nettes Gespräch mit einer älteren Dame aus Iowa. Nach der üblichen Eingangsfrage, ob das unser erster Besuch in den USA ist, unterhalten wir uns über die Möglichkeiten, die der Zion NP bietet, sei es zum Wandern, Klettern oder Radfahren. Für einen amerikanischen Nationalpark sei es schon recht ungewöhnlich, nicht mit dem Auto fahren zu können, stelle ich fest. Das ist wahr, meint sie, aber wie wäre das, wenn sich auf dieser engen Straße all die Autos stauen?
Der Bus rumpelt entlang des Flusses in die immer enger werdende Schlucht des Virgin Rivers hinein. Übrigens ist dies der gleiche Fluss, der gestern schon die Virgin River Gorge formte, durch welche die Interstate führte. Turmhoch und senkrecht wachsen auf beiden Seiten die Felswände in die Höhe.
Angels Landing heißt hier der spektakulärste Berg, seine senkrechten Felsflächen markieren die Spitze einer engen U-Kurve des Canyons. Ihn kann man auf einem alpinen Steig erklimmen. Diese Tour ist jedoch so beliebt, dass es dafür eines Permits bedarf; diese werden wegen des großen Andrangs am Vortag verlost.
Auf einmal haben wir Wildkontakt: Neben der Straße stehen zwei junge Hirsche im Bast und lassen sich von unserem vorbeifahrenden Bus nicht stören.
An der Endstation steigen wir aus und gehen auf dem Riverside Trail weiter taleinwärts. Die roten Wände rücken immer enger aneinander, zusammen mit dem wilden Fluss ergeben sich alle paar Schritte immer neue Ansichten und Ausblicke.
Kurz vor dem Ende des Trails machen wir Brotzeit und sind im Nu von zwei Squirrels belagert, die auf unsere Gaben hoffen - leider vergeblich.
Am Schluss des ausgebauten Weges beginnt der Trail zu den noch weiter flussaufwärts liegenden Narrows. Dort ist das Tal so schmal, dass nur noch der Fluss Platz hat. Da man diese Passage im Wasser watend passieren muss, gilt sie als sehr gefährlich und Flutwasser-exponiert.
Um dorthin zu gelangen, ist der Fluss schon hier am Wegende zu Fuß zu durchqueren. Einige Unerschrockene waten dann auch tapfer durch den schnell dahinströmenden Fluss.
Wir kehren dagegen um und genießen auf dem Rückweg wieder die phantastischen Perspektiven, die sich mit dem zwischenzeitlich gewanderten Sonnenlicht zum Teil völlig neu präsentieren.
Dass sich diese üppig bewachsene Schlucht inmitten der Wüste befindet, kann man von hier unten kaum glauben. Dieser wunderbar anmutende Lebensraum führte auch zur Namensgebung des Parks, bedeutet Zion doch Zufluchtsort oder Heiligtum auf hebräisch. Dieser synthetische Name kam einer zu Zeiten der Parkgründung vorherrschenden Voreingenommenheit entgegen, denn die Offiziellen glaubten damals, dass spanische oder indianische Namen Besucher abschrecken würden, wenn sie den Namen eines Ortes nicht aussprechen könnten. So wurde 1918 aus dem Mukuntuweap National Monument der Zion National Park.
Mit dem Bus fahren wir eine kurze Strecke zurück und steigen an der Station Big Bend aus. Hier stehen wir direkt unter Angels Landing, ein sehr beeindruckender Anblick.
Von der Station The Grotto aus gehen wir schließlich noch einmal ein kurzes, jedoch vergleichsweise langweiliges Stück auf dem Grotto Trail, der mehr oder weniger parallel zur Straße verläuft. Hier kommt uns an der schmalsten Stelle eine lange Schlange von Schulkindern entgegen, die von einer Parkrangerin angeführt werden. Ein Schulausflug in den Zion Park, es gibt langweiligere Veranstaltungen.
Auch wenn es anfangs schien, dass das Tal von Menschenmassen geflutet werden könnte zeigte sich, dass sich die Menge der Mit- Besucher doch verteilt. Zwar ging es zum Beispiel auf dem Riverside Trail ziemlich zu, jedoch war es nirgendwo überlaufen. Alles in allem ein gelungener Nationalpark-Besuch.
Auf der Rückfahrt zum Hotel erleben wir an einem Kreisverkehr eine Schrecksekunde: Auf der Außenspur fahrend werden wir von einem aus der Innenspur kommenden Auto geschnitten, das vor uns in eine Ausfahrt einbiegt; Susanne legt eine Vollbremsung ein und verhindert so im letzten Augenblick die drohende Kollision. War das vom anderen dreist und unverschämt? Wie sich herausstellt nein: Unsere Recherche ergibt, dass wer in Amerika die Außenspur eines Kreisels benutzt an der nächsten sich bietenden Möglichkeit ausfährt; der andere Fahrer rechnete also mit unserem Abbiegen.
Wir sind heute schon am Nachmittag im Hotel und haben so Zeit zum Spielen und Faulenzen sowie zum Wäschewaschen in der hoteleigenen Laundry.