Freitag, 2. Juni 2023

01. Juni 2023 Weilheim - San Francisco

Aufbruch in ein neues Amerika-Abenteuer! Ein langer Tag wartet heute auf uns, denn unser Flug nach Kalifornien startet erst am Nachmittag um zwanzig nach vier. Zwölf Stunden in der Luft, hinzu kommt die für Immigration, Zoll, Hotelshuttle und Hotel- Einchecken zu veranschlagende Zeit: Es werden vom Frühstück aus gerechnet bestimmt 24 Stunden vergehen, bis wir das nächste Bett erreichen.
Um halb 11 brechen wir auf zum Flughafen. Die Strecke ins Erdinger Moos ist uns nur zu vertraut, da wir gestern bereits schon am Flughafen waren. Blöderweise hatte der Online-CheckIn auf der Lufthansa-Homepage nicht funktioniert, der Algorithmus verlangte penetrant für Oskar die Eingabe der Daten eines US-Visums und ließ sich dadurch nicht abschließen. Ein Anruf bei der Hotline gab uns auch kein gänzlich sicheres Gefühl, also unterbrachen wir kurz entschlossen das Kofferpacken und fuhren zum Flughafen hinaus, um die Angelegenheit vor Ort aufzuklären. Selbst von der Frau am Lufthansa-Schalter ließ sich der CheckIn nicht so einfach durchführen, aber schlussendlich kehrten wir mit drei einwandfreien Bordkarten um dreiviertel zehn wieder heim. Ein kurzes Abendessen, dann setzten wir die unterbrochene Reisevorbereitung wieder fort, was sich nun natürlich bis nach Mitternacht hinzog.
Zurück zu heute. Unser Auto geben wir wieder beim inzwischen bewährten Parkservice in Schwaig ab und lassen uns vom Shuttlebus bis zum Terminal fahren. Da wir recht früh dran sind, haben wir keine Eile beim Abgeben der Koffer und Durchlaufen des Vor dem Abflug-Prozedere an der Security und bei der Passkontrolle. Bei letzterer erwischen wir einen gut aufgelegten Beamten; hoffentlich verläuft die US-Immigration-Kontrolle nachher ähnlich entspannt.
Unmittelbar vor dem Abflug-Gate werden unsere Pässe noch einmal kontrolliert von offensichtlich amerikanischen Offiziellen. Interessanterweise fragen uns diese Damen, ob wir die ESTA-Anmeldung für die US-Einreise vorgenommen hätten, diese ihnen wohl nicht vorzuliegen. Da stellt sich die Frage, warum hier überhaupt noch einmal kontrolliert wird, hat man doch die Passkontrolle bereits hinter sich.
Sei es wie es sei, wir stehen nun am Gate H13, angeschrieben ist unser Flug: LH458 nach San Francisco. Was fehlt, ist das Flugzeug, die Parkposition ist leer.  So warten wir erst einmal, was passiert, Oskar ist derweil begeistert von der Aussicht auf das betriebsame Vorfeld mit allerlei vorbeirollenden Flugzeugen.

Eine halbe Stunde vor der geplanten Boarding-Zeit wird unser Airbus herangeschleppt. Es ist die D-AIXC, die 2017 als damals dritte an Lufthansa ausgelieferte A350, getauft auf den Namen "Saarbrücken".
Es dauert nun jedoch noch eine ganze Weile, bis alle Abflugvorbereitungen abgeschlossen sind. Wir warten also weiter geduldig und haben dadurch zu unserer Freude die Gelegenheit, den Start des A380 nach Boston zu sehen. Ein bemerkenswerter Moment in der Lufthansa-Geschichte, ist dies heute doch der allererste kommerzielle Flug eines A380 mit dem Kranich am Leitwerk seit den unseligen Corona-Zeiten. Eigentlich hatte die Lufthansa diese Riesen bereits ausgeflottet und im spanischen Teruel endgelagert, war dann jedoch aufgrund explodierender Fluggastzahlen und eklatanter Terminschwierigkeiten bei der Auslieferung der geplanten Nachfolger durch Boeing gezwungen, den Riesenvogel kostenintensiv zu reaktivieren und ihm so einen zweiten Frühling zu gewähren.
Dann kommt endlich der Aufruf zum Boarding, mit der Besonderheit, dass die Betankung noch nicht abgeschlossen ist und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu beachten wären. Wir bekommen davon jedoch nichts mit und besteigen mit als erste die Maschine; Familien genießen beim Einsteigen eine ähnliche Priorität wie Fluggäste mit Senator-Status, nur ohne Sektempfang natürlich.
Ein gut gelaunter Flugbegleiter begrüßt Oskar sehr freundlich und überreicht ihm ein Malbuch, ein idealer Auftakt für unseren Kleinen, der doch merklich aufgeregt ist.
Der Flug ist nicht ausgebucht, so hat Susanne das Glück, dass der Sitznachbar im Gang sich vor dem Start noch einen freien Mittelgangplatz sucht, und Susanne und Oskar nun die Reihe für sich und damit deutlich mehr Platz haben.
Mit einer halben Stunde Verspätung legen wir ab, starten über die Nordbahn ostwärts und drehen, kaum dass wir in der Luft sind, auf Kurs NordWest, Amerika entgegen. 
Bald ist unter uns Nürnberg zu sehen, später überfliegen wir das Ijsselmeer und die Nordsee, was  beides jedoch unter einer dichten Wolkenschicht unsichtbar bleibt.
Erst über den Bergen der Yorkshire Dales und der Irischen See reißen die Wolken auf, die Küste von Nordirland markiert kurz darauf den letzten Zipfel Europas unter unseren Fenstern.
Zwei Stunden später bleibt Grönland unsichtbar unter neuerlichen Wolken, die Eisberge über der Labrador-See und der Hudson Bay zeigen sich danach völlig frei. 
Zwischen Idaho und Nevada türmen sich unter uns bizarre Wolkenkomplexe zu spektakulären Gebirgen auf. Gut, dass wir da nicht durchfliegen müssen.
Nach endlosen Stunden beginnt der Landeanflug. Oskar hat wider Erwarten nur ein paar Stunden geschlafen und ist  bereits seit längerem wieder wach. Hoffentlich hält er noch eine Weile durch, immerhin zeigt unsere innere Uhr kurz vor vier in der Früh.
Vor der Landung drehen wir noch eine U-förmige Runde über der südlichen San Francisco Bay, für einen Blick auf die Stadt sitzen wir leider auf der falschen Seite. Nach 9.726 geflogenen Kilometern und 11:50 Stunden in der Luft setzen wir in der Abendsonne auf der weit in die Bucht hineinragenden Bahn 28L auf, es ist 19:25 Uhr. 
Nun geht alles sehr schnell. Wir kommen in bisher nicht gekannter Rekordzeit durch die Immigration- Kontrolle, auch weil eine der Ordnerinnen uns und eine weitere Familie aus der Schlange heraus und an einen separaten Schalter lotst.
Ein kompetenter und effektiver Beamter stellt die üblichen Fragen nach dem Woher und Wohin, unsere Fingerabdrücke sind wohl noch von unserer letztjährigen Amerika-Tour gespeichert, und so sind wir nach kaum drei Minuten offiziell in die USA eingereist.
Die andere Familie mit drei kleinen Kindern stand auch in München schon neben uns bei der Security an, mit witzigen Kindertrolleys kommt man schnell ins Gespräch. Witzigerweise kommen die beiden Eltern aus Gummersbach, meinem Geburtsort. 
Die Koffer stehen am Gepäckband bereit, nach kurzer Wartezeit erreichen wir das Hotelshuttle, und so sind wir am Ende keine zwei Stunden nach dem Aufsetzen im Hotel, mindestens eine Stunde eher als günstigstenfalls geplant. In New York würden wir zu dieser Zeit wahrscheinlich immer noch bei der Immigration anstehen.
In einem Liquor Store schräg gegenüber lässt sich schließlich noch unser Feierabendbier besorgen - alles bestens also.